Skaterglück

Heute Abend konnte ich das Inlinern wieder genießen. Es hat so herrlich geduftet in den Feldern. Und dort war es so schön kühl. Es war bestimmt 7 Grad kühler als in der Stadt. Zumindest spürte ich eine angenehme Frische. Es war wie eine andere Klimazone.

Wenn ich die Natur fühle und den Duft der Pflanzen rieche, dann geht es mir gut. Dann bin ich lebendig.

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Relax

Das Krafttraing hat mit gut getan. Ich mache immer 14 Übungen a 3 Einheiten. Da bin ich eine Weile beschäftigt.

Danach fuhr ich mit dem Rad zu meiner Lieblingsstrandbar. Der Strand liegt an einem ruhigen Fluss. Dazu ein alkoholfreies Hefeweizen und Zigaretten… mehr brauche ich nicht.

Morgen Abend werde ich wieder zum Inlinetraining gehen. Letzten Montag sagte ich das erste Mal ab, weil ich total blockiert war. Ich denke, das ist nun vorüber. Immerhin.

Gestern Abend stopfte ich mir wieder vier Snickers-White-Eisriegel rein, mein Lieblingseis. Das Zeug schmeckt so sagenhaft gut, dass ich geradezu süchtig danach bin. Die ganzen Erdnüsse mit Karamell und weißer Schokolade… da kann ich mich kaum zurückhalten. Ich darf das Zeug einfach nicht mehr kaufen. Auf der anderen Seite ist es wohl ein Ersatz für Zärtlichkeit.

Umso erfreuter war ich heute Morgen, als die Waage knapp unter 90 kg anzeigte. Ich habe also nicht zugenommen. Ich mache ja normalerweise auch viel Sport. In letzter Zeit war es wenig, wegen den Blockaden.

Aber irgendwie schaffe ich es dann doch immer wieder, mich von der Couch zu erheben und etwas zu unternehmen.

Was mir am meisten fehlt, ist der Austausch mit Gleichgesinnten, gute Gespräche. Gesellschaft wird mir jedoch schnell zu viel.

Letztes Wochenende war ich bei einer Freundin. Es war die einjährige Geburtstagsfeier ihrer Tochter. Es waren nur Pärchen dort. Und die Gespräche drehten sich nur um das Kind. Ich fühlte mich total fehl am Platz. Das sind Gespräche die mir dann einfach schnell zu viel werden, zumal ich selbst keine Kinder habe.

Inzwischen geht es mir besser. Ich habe mich etwas beruhigt. Ich bin gern am Wasser. Ich muss versuchen, mich selbst zu schätzen, mit mir ins Reine zu kommen. Es könnte doch schlimmer sein. Sicher, ich vernachlässige meinen Haushalt und meinen Job ebenfalls. Auch treffe ich mich zu wenig mit Freunden. Aber wer weiß schon, wie es sein muss. Ich lebe eben so, wie ich gerade fühle. Es könnte besser sein, aber auch schlechter.

Ich sollte die Kleinigkeiten mehr würdigen. Und dazu zählt auch, dass ich mich aufraffe und etwas unternehme.

Irgendwas vernachlässigt man immer. Das ist bei jedem so.

Muckibude

Ich saß lange zu Hause und fragte mich, was ich anstellen könnte, bei dem schönen Wetter.

Meine Blockaden sind zwar verschwunden, nicht jedoch der Mangel an Motivation, mein Leben zu leben.

Die Lust am Inlineskaten ist mir abhanden gekommen. Auch vernachlässige ich meinen Haushalt.

Gestern ging es mir genauso. Bis ich mich entschloss, eine Radtour zu machen. So brachte ich den Tag auch hinter mich.

Und heute ist mal wieder Krafttraining angesagt. Ich fuhr mit dem Fahrrad ins Fitnessstudio. Es ist hier schön leer. Die Leute gehen eher ins Freibad oder an den See.

Ich spule mein Programm ab. Das ist genau das, was ich beim Krafttraining mag, man arbeitet nach Plan und muss keine Entscheidungen treffen.

Ich weiß nicht, was noch werden soll. Ich bin ratlos. Ich bin desillusioniert.

Der Mensch braucht Bestätigung, Zuneigung. Ich werde kaum wahrgenommen. Und so spule ich einfach mein Programm ab, tue mein Ding. Es ist eigentlich völlig egal, was ich mache.

Und so lege ich heute bei den Gewichten noch eine Schippe drauf. Dann spüre ich wenigstens meinen Körper, wenn die Seele schon kaum noch wahrzunehmen ist.

Menschen erreichen

Wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt, bilden sich vor den Apple Stores lange Schlangen.

Obwohl der Kaffee bei Starbucks maßlos überteuert ist, werden diese Cafés gut besucht.

Google, Facebook, Amazon….. alles erfolgreiche Unternehmen.

Man mag von den Amis denken was man will, aber von Marketing verstehen sie was. Sie wissen, wie man die Menschen erreicht.

Im Gegensatz zu mir. Ich versuche auch Menschen zu erreichen und scheitere immer wieder. Jetzt da die Medikamente wieder wirken, setzt mir das nicht mehr so zu, aber enttäuscht bin ich dennoch.

Der Sohn meiner Cousine peppte mein Tinder-Profil etwas auf. Aber gebracht hat es bisher nichts.

Und heute habe ich meine Internetseite etwas gepimt, in der Hoffnung damit mehr Mitglieder zu gewinnen.

Wer meine Internetseite besucht, stellt zumindest fest, dass ich da viel Herzblut investiere, obwohl ich dafür kein Geld nehme und auf Werbung komplett verzichte. Es ist mir ein Rätsel, warum es so schwierig ist, die Gleichgesinnten zu erreichen und für mein Angebot zu begeistern.

Vielleicht sollte ich mir einen US-amerikanischen Marketingexperten einkaufen, hehe. Das wäre jedoch mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Und so krebse ich weiter vor mich hin und versinke in Bedeutungslosigkeit.

Oder ich denke einfach nicht mehr darüber nach, was ich für andere tun kann und wie ich ihre Gunst erlange.

Genug davon. Ich achte einfach darauf, was ich für MICH tun kann.

Wir selbst sollten uns die nächsten sein. Und wenn es Menschen gibt, die ebenso ticken wie wir, umso besser. Dann tun wir uns zusammen und sind füreinander da.

Man wird ja noch träumen dürfen.

Wieder der Alte

Heute Morgen noch ging es mir beschissen. Die Blockade in meinem Kopf war extrem. Umso erstaunlicher, dass sie sich am frühen Nachmittag in Luft auflöste.

Es ist, als würde ich aus dem Knast entlassen und darf mich wieder frei bewegen.

Ich habe wieder angefangen, Obst und Gemüse zu essen, anstatt Eiscreme, und ich gehe wieder zum Sport.

Die erhöhte Tablettendosis scheint wieder zu wirken. Was für ein Segen. Ich kann gar nicht sagen, wie erleichtert ich bin. Das ist doch gleich eine ganz andere Lebensqualität.

Gestern gab’s zum Frühstück ein Snickerseis. In der Firma dann ein Burger mit Pommes und Majo sowie zwei Schokoriegel. Am Abend habe ich dann wieder sechs Eishörnchen an einem Stück weg gefuttert. An Sport war nicht zu denken. Ich wollte einfach nichts tun. Nada.

Das Training im Fitnessstudio geht mir heute leicht von der Hand. Ich hatte eher damit gerechnet, dass ich mich schwer tun würde, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich bin also wieder der Alte. Danke, Venlafaxin!

Das fünfte Element

Auf der letzten Eigentümerversammlung hatten wir das Thema, dass die Bewässerungsschläuche im Beet unseres Vorgartens offen liegen und es gut wäre, wenn man mal frische Erde darüber kippt, um die Schläuche besser zu schützen. Der Verwaltungsbeirat beklagte sich darüber, dass kaum jemand bereit ist, auch mal etwas für unser Haus zu tun. Ich habe mich gemeldet und bereit erklärt, mich darum zu kümmern und fand einen Mitstreiter – ein Neuling in unserer Eigentümergemeinschaft, aber sehr sympathisch und hilfsbereit.

Also verabredete ich mich mit Henning für gestern Abend vor dem Baumarkt, um Erde zu kaufen. Wir rätselten darüber, wieviel Erde wir wohl benötigen. Wir kauften zehn 70-Liter-Säcke und luden jeweils fünf Säcke in unsere Autos und fuhren dann zu unserem Haus.

Henning war zuständig für das Jäten von Unkraut, und ich war zuständig für die Verteilung der 700 Liter Erde. Während wir so vor uns hinwerkelten, kam eine weitere Hausbewohnerin dazu und half uns. Sie besorgte Wasser für uns, fegte und holte einen langen Schlauch zur Bewässerung.

Ich war die meiste Zeit zwischen Gestrüpp und Sträuchern, um die Erde gründlich zu verteilen und kratzte mir dabei die Arme an den Dornen auf. Heute sehe ich aus wie ein Borderliner.

Dann kam ein weiterer Nachbar von der Arbeit und fuhr mit seinem Auto an uns vorbei zur Tiefgarage. Er sagte, er ziehe sich noch schnell um und komme dann raus, um uns zu helfen. Und so waren wir zu viert.

In nicht mal drei Stunden waren wir fertig und freuten uns über das Ergebnis. Unser Vorgarten sieht jetzt schon viel besser aus. Wir waren stolz auf unser Werk. Und ich freute mich über diese nette Gemeinschaft.

Obwohl es mir gestern psychisch nicht gut ging, zog ich unser Vorhaben durch. Und es hat meiner Psyche sehr gutgetan. Denn wenn Menschen zusammenkommen, um gemeinsam etwas in die Tat umzusetzen, dann ist es genau das, wovon ich träume, was ich mir so sehr von unserer Gesellschaft wünsche. Wenn jeder mit anpackt, geht die Arbeit doch locker von der Hand und hinterher kann man sich auf die Schulter klopfen und darf Erfolge feiern.

Ich fühlte mich gestern geborgen, integriert, akzeptiert. Wir haben gemeinsam gearbeitet, uns gegenseitig unterstützt. Leider sind solche Momente viel zu selten.

Henning möchte für unser Haus ein Grillfest organisieren. Er ist sehr rührig, obwohl er neu in der Eigentümergemeinschaft ist und obwohl er nicht in dem Haus wohnt, da er seine Wohnung vermietet hat. Das hat man selten, dass Menschen so viel Engagement an den Tag legen.

Als ich dann wieder in meiner Wohnung war und das T-Shirt auszog, habe ich gesehen, dass es klatschnass verschwitzt war. Ich hatte das gar nicht wahrgenommen, so sehr war ich mit der Erde beschäftigt.

Und heute?

Heute geht es mir wieder schlecht. Mein Kopf ist heute besonders stark blockiert. In mir sträubt sich alles gegen Informationsaufnahme oder Unterhaltung mit Menschen. Ich bin eher auf Rückzug eingestimmt, denn auf Gesellschaft. Ich fühle mich erschöpft und unfähig etwas zu bewerkstelligen.

Ich bräuchte mehr solch einen Gemeinschaftsgeist wie gestern mit den Nachbarn. Denn das fehlt leider allzu oft in unserer Gesellschaft. Ich glaube, wenn diese Art der Gemeinschaft, des gegenseitigen Respekts und der Hilfsbereitschaft typisch für unsere Gesellschaft wäre, würde es auch weniger Menschen mit psychischen Erkrankungen geben.

Inzwischen habe ich den Eindruck, dass meine Medikamente in erster Linie dazu da sind, um die Realität auszublenden oder sie zu filtern. Ich reagiere sehr empfindlich auf Ungerechtigkeit, Engstirnigkeit, Egoismus und vor allem Ignoranz und Arroganz. Die Tabletten helfen mir vermutlich, besser damit umzugehen. Aber es ist nur eine oberflächliche Wirkung, denn die Realität verändern die Tabletten ja nicht.

Vielleicht war es keine schlechte Entscheidung, die Tablettendosis herabzusetzen. Jetzt weiß ich zumindest wieder, was es bedeutet, depressiv zu sein und was mich so massiv stört in meinem Leben. Selbst wenn die Tabletten wieder wirken und die Depressionen verschwunden sind, lohnt es sich, zu hinterfragen, ob mein jetziger Lebensstil das ist, was ich wirklich will. Und wenn dem nicht so ist, sollte ich mich fragen, was ich tun kann, um es besser zu machen.

Alles bleibt wie es ist

Heute habe ich das erst Mal mein Training ausfallen lassen. Ich war zu aufgewühlt, zu emotional und zu depressiv. In mir tobt ein Sturm. Ich könnte nur noch kotzen.

Mein Chef hat nichts zu meinem Dokument gesagt, das als Hilferuf oder als Weckruf zu verstehen ist. Die Situation in unserer Firma ist festgefahren, und das Management hat noch nicht begriffen, dass sie den Karren nur aus dem Dreck kriegen, wenn sie es schaffen, die Leidenschaft der Mitarbeiter zu entfachen. Aber mit alt bewährten und verstaubten Konzepten, mit Power Point Präsentationen und ein paar Schlagworten, wird man die Mitarbeiter nicht gewinnen. Es erinnert zu sehr an frühere Konzepte, die gescheitert sind. Es gab zu viele Strategien, zu viele Umbauten an der Organisation. Wer glaubt denn noch, dass sich etwas ändern wird, wenn weiterhin nur an der Oberfläche gekratzt wird? Und hier sind die Führungskräfte gefragt, sich mit ihren Mitarbeitern auseinanderzusetzen.

Mein Chef klebt den ganzen Tag an seinem Schreibtisch und glotzt in den Bildschirm. „Meine Tür steht Euch immer offen!“ Mit diesem Spruch glaubt er, sei er ein guter Chef. Ich habe die Schnauze gestrichen voll. Komm‘ mal raus aus Deinem Büro, steh mal auf und geh auf Deine Mitarbeiter zu und thematisiere mal, was wir als Team tun können, um unser Unternehmen wieder voran zu bringen. Schaffe mal eigene Ideen und Gedanken, beteilige Dich an den Diskussionen über das, was sich bei uns gerade abspielt. Ich erwarte einfach mehr von einer Führungskraft, als dass sie sich den ganzen Tag in ihr Schneckenhaus verkriecht.

Ich habe mich heute intern auf eine andere Stelle beworben. Ob es da besser sein wird, wage ich ja noch zu bezweifeln, aber wenn nich es nicht prüfe, werde ich es nicht erfahren. Jedenfalls weiß ich, dass ich in der Abteilung, wo ich jetzt bin, nicht bleiben kann. Ich dreh sonst noch völlig durch, vor lauter Gleichgültigkeit, die mich umgibt.

Vielleicht war es doch nicht so verkehrt, die Tablettendosis zu reduzieren. Jetzt bricht vieles aus, das wohl schon die ganze Zeit in mir schlummtert. Eingelullt von der hohen Dosis der Tabletten, habe ich es einfach alles laufen lassen wie es ist. Ich habe mich zwar zu Tode gelangweilt im Büro, hatte aber nebenher meine Hobbies, die mir Spaß gemacht haben.

Momentan macht mir gar nichts Spaß, auch meine Hobbies nicht. Ich bin innerlich einfach zu überdreht, zu aufgehwühlt. Ja, es geht mir schlecht. Ich bin auf 180 und stinksauer auf den Stillstand in meinem Leben und meiner Umgebung, auf die Gesellschaft, die ebenfalls träge vor sich hinsiecht. Wir bräuchten viel mehr „Fridays for Future!“ Es müsste sich viel mehr bewegen in unserer Gesellschaft. Aber den meisten ist alles egal. Sie wollen einfach weiterleben wie bisher, nichts verändern.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Es fühlt sich an, als wäre alles verloren.