Isch habe fertig 

Heute bin ich die letzten 36 km meines 1050 km langen Inline-Streckennetzes abgefahren. Ich bin am Ziel. 

Zahlreiche Schürfwunden, zwei gebrochene Finger und ein angeknakster Finger habe ich erlitten, aber auch viel Schönes. Vor allem habe ich meine Umgebung besser kennen gelernt. 

Und was ist mein nächstes Ziel? Das weiß ich noch nicht. Irgendein Projekt habe ich meistens. Ich glaube, ich ruhe mich jetzt erstmal auf meinen Lorbeeren aus und genieße heute Abend das Grillen bei meinem Bruder. Dann sehen wir weiter. 

Griechischer Wein

Ich sitze gerade bei einem halben Maß Bier auf einem Fest und vor mir eine Band, die nach Andrea Berg Udo Jürgen’s „Griechischer Wein“ zum Besten gab. Das Beste an der Band ist die hübsche Frontfrau. 

Wie kommt’s? Schönes Wetter und nicht auf Inlinern unterwegs. Meine heutige Tour musste ich nach 6 Kilometern abbrechen, weil der Weg nicht mehr fahrbar war. Als ich zurück am Auto war, hielt ein Mann bei mir an, während ich mich umzog: „Wissen Sie, wo hier das Schlossgartenfest ist?“ „Keine Ahnung, aber ich nehme mal an, von da drüben, wo die Musik herkommt.“ „Hab‘ ich mir auch schon gedacht. Ok, danke.“ und fuhr auf und davon mit seiner Knutschkugel. Haha, musste ich als Audifahrer jetzt mal loswerden ;-). 

Na, da dachte ich mir: „Jetzt bist Du so weit gefahren, um lächerliche 12 Kilometer zu skaten. Da kannst Du Dir doch mal dieses Fest anschauen.“ 

Ich ging also in die Richtung, wo die laute Musik herkam. „Ohje, das klingt ka schrecklich.“ Meine Heavy Metal Zeit liegt schon lange zurück, und heute kann ich mit dem Geplärre nichts mehr anfangen. 

Nein, das war ein Heavykonzert mit Eintrittspreis. Na, dann schaute ich mal in Google-Maps, wo denn der Schlossgarten ist und ging dorthin. Alles still dort. Komisch, ich habe tatsächlich Plakate gesehen, die das Schlossgartenfest mit Start 21.07. bewarben. Ha, es gibt in diesem Kaff noch einen anderen Schlossgarten. Und tatsächlich, hier wurde ich fündig. Nun hocke ich hier, schaue mir die Menschen an und freue mich eines schönen Sommerabends; auch wenn die Musik nicht so meins ist. Egal, passt schon.

Inzwischen bin ich zu bleifreiem Bier gewechselt; muss ja noch Auto fahren. 

Na, vielleicht lerne ich hier ja eine charmante Dame kennen!? Haha, nichts ist unmöglich. 

Besser geht’s nicht

Zufrieden bin ich mit dem Moment wie er jetzt ist, und es fehlt mir an nichts. 

Ich bin losgeskatet und habe mal die Wettervorhersage optimistisch zu meinen Gunsten ausgelegt. Als ich mit dem Auto zum Start der Tour gefahren bin, hat es sogar geregnet. Und nun? Bestes Wetter! 

Tolle Strecke, schöne Landschaft, nette Kneipe, kühles Bier…. was will man mehr? 

Und ein erfolgreicher Arbeitstag, der mir mal ausnahmsweise Spaß gemacht hat. Das Wochenende kann kommen. Es geht mir gut. 

Never give up

Es ist 22:38 Uhr, und ich sitze in der Bahn nach Hause. Ich habe noch eine Stunde Fahrt vor mir. Ich bin nach der Arbeit wieder auf Inlinern unterwegs gewesen. Im Großen und Ganzen hat alles gut geklappt. Der Großteil der Strecke war gut fahrbar, und gestürzt bin ich auch nicht. 

Doch der letzte Kilometer von 35 Kilometern war leider loser Untergrund. Ich bin diesen Kilometer trotzdem noch langsam bis zum Ziel gefahren. Aber empfehlenswert ist dieser Streckenabschnitt keinesfalls. 

Auf fast jeder meiner Touren werde ich beschimpft, von Radfahrern oder Autofahrern. Heute war es ein Motorradfahrer, der mir zurief: „Geht’s noch?“ Ich fuhr zwar auf der Straße in einer Kleinstadt, aber in dem Bereich, der für Fahrradfahrer vorgesehen ist. Ich schrie zurück: „Das hier ist ein Radweg!“ 

Warum gibt es so viele Idioten, denen man offensichtlich ins Hirn geschissen hat? Irgendwann gibt es noch eine Schlägerei.

Ich habe diese Spastköppe dermaßen satt. Dennoch lasse ich mir den Spaß am Inlinern nicht nehmen. Heute Abend war es einfach wunderschön durch die Felder zu skaten, während die Sonne unterging. Ich entdecke so viel Schönes auf meinen Touren. Das wiegt vieles auf, die Idioten, die Stürze, die Schürfwunden und Knochenbrüche. Ich falle, stehe wieder auf und mache weiter. Mein Lebensmotto: Niemals unterkriegen lassen, von nichts und niemanden. 

Du bist, was Du fühlst

Tja, da nähere ich mich so langsam meinem Ziel und frage mich bereits, wie es danach weiter gehen soll. Am Wochenende habe ich beim Sport 7000 kcal verbrannt, ein Großteil davon auf 90 km Strecke beim Inlinern.

Ein Fahrrad fahrender Mann, neben dem ich kurz hergeskatet bin, wollte wissen, wofür ich eine Lampe auf dem Helm benötige. Daraufhin habe ich ihn gefragt, wofür er seine Fahrradlampe benötigt….da wurde ihm bewusst, wie dämlich seine Frage eigentlich ist. Haha, eiskalt erwischt.

Ich errege stets Aufsehen mit meiner Montur und werde hin und wieder mal angesprochen. So auch am Samstag, als ich mit einem Mann ins Gespräch kam, der mir Tipps gab, wo ich in der Region besonders gut skaten könne. Ich zeigte ihm, welche Route ich fahren wollte, und er intervenierte und gab mir einen heißen Tipp. „Allerdings gibt es auf dieser Strecke einen 50 m-Abschnitt mit Schotter. Aber ich bin diese Strecke selbst schon geskatet. Das geht prima!“

Ich freute mich über den Tipp. Doch im Nachhinein habe ich mich geärgert. Denn die 50 m waren in Wirklichkeit ein knapper Kilometer!!! Und so stapfte ich auf Schotter während mich eine Gruppe Radfahrer überholte und einer der Radler noch blöde Sprüche von sich gab „Das ist wohl der falsche Untergrund, was!?“ Ich hätte ihm eine reinhauen können, dem alten Esel.

Und es war derselbe Esel, der mich noch mehr provozierte, als ich die Gruppe, die zum Stehen kam, auf halbwegs brauchbarem Untergrund überholte: „Gib alles! Ja, Du schaffst es! Du bist der Beste!“ Wenn ich ihn noch einmal getroffen hätte und er wieder dumme Sprüche von sich gegeben hätte, hätte vermutlich nicht viel gefehlt, und ich hätte ihm wirklich eine rein gehauen, so zornig war ich. Aber wir hatten wohl beide Glück; denn ich bin der Gruppe tatsächlich davon geskatet und habe sie nicht wieder getroffen.

Nach einer großen Strapaze habe ich mich in einem Bahnhofslokal über zwei große Baguettes mit Schinken, Tomaten und überbackenem Käse gefreut – für lächerliche 3,50 Euro, und das Bier dazu für 2,80 Euro. Gut gestärkt ging es dann wieder weiter, und all der Ärger über dämliche Tipps und blöde Sprüche war verflogen.

In den nächsten beiden Wochen werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit mein Ziel erreicht haben. Dann stellt sich die Frage, was als nächstes zu tun ist.

Zwei gebrochene Finger, ein angeknakster Finger und  zahlreiche Schürfwunden zog ich mir auf dem Weg zu meinem Ziel zu.

Fühlt es sich gut an, bald ins Ziel einzulaufen? Merkwürdigerweise spüre ich kaum etwas. Es fällt mir wieder schwer, mich über etwas zu freuen. Fühlen – darum geht es im Leben! Um Gefühle und Empfindungen. Es zählt nur das, was wir fühlen.

Ich beame mich daher hin und wieder in die Vergangenheit, um Empfindungen aufzunehmen. Ich kann schon sehr sentimental sein. Dann sehe ich z.B. einen jungen Mann, der sich durchkämpft, in neuer und ungewohnter Position, als Berater in den Niederlanden, mit Depressionen und Ängsten.

Ich denke an die Zeit, als ich in Scheveningen erwachte, in meinem 20 m² Appartement und draußen die Möwen kreischen hörte.

Vier Jahre habe ich es durchgehalten, bis ich aus eigenem Entschluss wieder zurück ging nach Deutschland. Und im Nachhinein betrachtet, war es eine sehr wertvolle und ereignisreiche Zeit.

Vor einem Jahr in Wien – das war auch eine Zeit, an die ich mich sehr gerne erinnere. Ich genoss meinen Urlaub in vollen Zügen. Es ging mir so gut, wie selten.

Schöne Gefühle sind wertvoller als der reinste Diamant. Nicht, was scheinbar ist, ist wichtig, sondern das, was wir fühlen!

Ich denke, das wird mein Thema sein, über das ich mehr nachdenken möchte. Und wenn ich denke, dann denke ich laut. 😉